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Meine Stadt? Herthas Arena nur mit, nicht ohne uns

Hertha verkündete 2018, eine neue Fußball-„Arena“ bauen und schon im Jahr 2025 eröffnen zu wollen. Der Verein favorisiert den Olympiapark als neuen alten Standort, denn dieser liegt in direkter Nachbarschaft zur heutigen Spielstätte, dem Olympiastadion.

Dafür müsste voraussichtlich einiges weichen, etwa der Denkmalschutz der Gartenanlage, die Bildungsstätte der Sportjugend Berlin sowie bezahlbarer Wohnraum auf dem Gelände einer der ältesten Berliner Baugenossenschaften. Für die Bewohner*innen der betroffenen Wohnungen wurden bereits zwei Lösungen diskutiert: Der Umzug in Neubauten des Skandalunternehmens Deutsche Wohnen in der Alliiertensiedlung oder aber ein Neubau auf den Baumannschen Wiesen am U-Bahnhof Ruheleben. Inwiefern dies eine für das Gemeinwohl vertretbare Lösung darstellt, bleibt jedoch fraglich. Ebenfalls betroffen von den Bauplänen Herthas wäre der Naturschutz durch Baumfällungen und die Verringerung von notwendigen Versickerungsflächen. Offen ist, welche Auswirkungen die Bauarbeiten und der Betrieb der geplanten Arena auf die KiTa in der naheliegenden Rominter Allee hätten, welche einen besonderen heilpädagogischen Ansatz für die Bedürfnisse der Kinder verfolgt.

Doch die Gespräche zwischen hochrangigen Vertretern von Hertha BSC und dem Senat (eine reine Männergruppe) laufen weiter, ohne die vor Ort Betroffenen und die Stadtgesellschaft daran zu beteiligen. Erst seit Ende 2018 nimmt der Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf an den Runden teil, obwohl er unmittelbar betroffen ist. Das Mitspracherecht musste erst über die Presse und auf einen Antrag der Fraktion DIE LINKE. in der BVV eingefordert werden. Die Öffentlichkeit aber bleibt noch immer außen vor…

Worüber sollte auch diskutiert werden? Hertha legte bereits Pläne für eine „Arena“ vor, es fehlt aber ein Konzept für das gesamte Areal. Wichtiger als die Wünsche Herthas ist die Frage des Nutzungskonzepts, sowohl des Areals als auch der Nachnutzung des Olympiastadions. Für Hertha mag es wirtschaftlicher sein, eine eigene Arena zu bauen und bespielen, für das Land Berlin jedoch nicht. Ihm würden jährlich Einnahmen in Millionenhöhe wegbrechen – Kosten, die der Verein sparen würde, das Land aber über öffentliche Einnahmen tragen müsste. Das Olympiastadion stünde nach dem Auszug von Hertha nahezu leer.

Bisher gibt es zu viele offene Fragen und keinen ersichtlichen Bedarf für die Neubaupläne von Hertha BSC. Diese Intransparenz und den vorgelebten Vorzug von Investor*inneninteressen kritisiert die Fraktion DIE LINKE! Besonders dramatisch bewerten wir den möglichen Wegfall von bezahlbarem, genossenschaftlichen Wohnraum. In Zeiten von Wohnungsnotstand kann es nicht zur Diskussion stehen, bezahlbaren Wohnraum zu Gunsten der Gewinnsteigerung eines Fußballvereins zu zerstören. Neubauten auf den Baumannschen Wiesen steht das 2016 bestätigte Bürger*innenbegehren für den Grünflächenerhalt im Bezirk entgegen. Der Bezirk kann sich hier nicht gegen den Willen der Bürger*innen des Bezirks stellen. Es gibt Alternativen und darum fragen wir uns, warum bisher ausschließlich Herthas Wünsche Gehör fanden, die der Berliner*innen jedoch nicht. Der Verein muss endlich Antworten darauf geben, wie er einen Beitrag für die Stadt leisten will, die ihm in schlechten Zeiten zur Seite stand. Dafür bedarf es eines echten Konzepts und der Mitsprache der Berliner*innen!

 

Annetta Juckel, Fraktionsvorsitzende, Sprecherin für Bürger*innenbeteiligung und Sport